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Redaktion

KOMMENTAR - ANT GROUP
Was kommt aus China, ist ungefähr so viel wert wie das Sozialprodukt von Österreich und erblickt demnächst das Licht der Börsenwelt? Der weltgrößte Fintech-Betreiber Ant Group setzt mit seinem parallelen Initial Public Offering (IPO) an den Börsen in Hongkong und Schanghai neue Maßstäbe. Der am Montag fixierte Emissionspreis für die Offerte liegt ziemlich genau im Rahmen der hochgesteckten Erwartungen und erlaubt es Ant, frisches Kapital von 34,5 Mrd. Dollar einzusammeln. Damit wird der bisherige Weltrekord für den Umfang eines Börsengangs seitens des saudischen Ölkonzerns Aramco bei 29,4 Mrd. Dollar förmlich pulverisiert. Rechnet man noch die Mehrzuteilungsoption ein, die Ant Group mit größter Wahrscheinlichkeit ausüben können wird, kommen noch gut 5 Mrd. Dollar hinzu.

Das Ant-Group-IPO ist eine Schwergeburt auch deshalb, weil es für ein vielversprechendes Start-up-Unternehmen ungewöhnlich lange gedauert hat, bis der Gründer und Haupteigner Jack Ma die Zeit für das Erlangen der Börsenreife gekommen sah. Zwar ist dem ebenfalls von Ma gegründeten Online-Händler Alibaba, der im Herbst 2014 als damals weltgrößtes IPO an die New York Stock Exchange ging, die Wall-Street-Präsenz durchaus gut bekommen. Doch angesichts der wachsenden Streitigkeiten zwischen China und den USA wurde schon vor drei Jahren klar, dass China nicht bereit sein würde, ein Finanzunternehmen im sensiblen Bereich der Zahlungsabwicklung an eine US-Börse zu entlassen.

Die Causa Ant hat dabei wesentlich mit dazu beigetragen, dass man sich in Hongkong und insbesondere in Schanghai einen gewaltigen Ruck gegeben hat, um diese Börsenplätze auch für ein Mega-IPO im Technologiebereich in Frage kommen zu lassen. Nun sorgen zeitgemäße Listingreformen in Hongkong und Schanghai, gepaart mit der Begeisterung chinesischer Anlegerkreise für Techsektor-Emissionen, dafür, dass Ant Group mit großer Sicherheit in ein weiches Bettchen fallen wird.

Wenn voraussichtlich am 5. November die Glocke für die Eröffnung des Handels erklingt, wird Ant Financial als ein Wonnebrocken mit einer Marktkapitalisierung von rund 315 Mrd. Dollar an den Start gehen. Das entspricht zufälligerweise fast exakt dem gegenwärtigen Börsenmarktwert des in dieser Kategorie weltgrößten Finanzinstituts, nämlich der US-Großbank J.P. Morgan Chase. Selbst Ma muss zugeben, dass er sich noch vor wenigen Jahren nicht hätte träumen lassen, mit Ant vom Börsenstart weg in der obersten Weltfinanzliga mitspielen zu können.


Börsen-Zeitung, 27.10.2020, Autor Norbert Hellmann, Nummer 206, Seite 1, 351 Wörter

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