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Redaktion

KOMMENTAR - KREDITPROGRAMM
Die Bundesregierung will mit dem neuen Kreditprogramm eine Pleitewelle im Mittelstand verhindern. Aus der Wirtschaft waren wiederholt Klagen laut geworden, Kreditprüfungen der Hausbanken seien zu aufwendig und Kredite würden nicht vergeben, weil Firmen in der derzeitigen Krise nicht kreditwürdig seien. Deshalb sollen jetzt bei den zusätzlichen Coronahilfen für Unternehmen Kredite von bis zu 800 000 Euro pro Firma mit einer 100-prozentigen Staatshaftung abgesichert werden.

Das Ziel des neuen Kreditprogramms, eine Pleitewelle gesunder Unternehmen im Mittelstand abzuwenden, ist aller Ehren wert. Doch könnte Deutschland von den Staatshilfen der USA in der Finanzkrise lernen. Damals war die Regierung in Washington mit Eigenkapitalspritzen direkt bei Banken und Unternehmen eingestiegen und konnte diese Beteiligungen nach der Krise gewinnbringend versilbern.

In Deutschland wird es absehbar anders laufen. Der Staat gibt Hunderte von Milliarden Euro Kredit an die Unternehmen. In sieben von zehn Fällen wird das gut gehen: Dann erhält die KfW nach der vereinbarten Laufzeit die geliehene Summe zurück. In den anderen drei Fällen geht es schief, das Unternehmen geht in ein Schutzschirmverfahren, meldet später Insolvenz an, und dann wird in vielen Fällen der gesamte Kredit verloren sein.

Wer verstärkte Eigenkapitalbeteiligungen des Staates wie in den USA während der Finanzkrise ablehnt, weil er einen schleichenden Wechsel von der Marktwirtschaft hin zur staatlichen Planwirtschaft fürchtet, könnte auch einen anderen Weg wählen. Dann würden die staatlichen Darlehen erstrangig besichert, so dass der Staat im Fall der Insolvenz eines Unternehmens unter den Gläubigern den höchsten Rang einnehmen würde. Dafür müssten die anderen in den Nachrang gehen, dazu haben sie aber einen hohen Anreiz.

Eine Renaissance könnte man auch dem Besserungsschein verschaffen: Ein Besserungsschein ist bei einem Forderungsverzicht des Gläubigers ein abgegebenes schriftliches Versprechen des zahlungsunfähigen Schuldners, bei Besserung seiner Vermögensverhältnisse zunächst erlassene Schulden zurückzuzahlen.

Damit könnte sich die Bundesregierung wenigstens einen Teil des "Upside" sichern, das später bei Unternehmen anfällt, die die Krise mit Hilfe der Staatskredite gut überstehen. Spätere Gewinne landen sonst allein bei den Aktionären, die Verluste aus Kreditausfällen allein beim Staat. Das sollte umso mehr stören, als die Aktionäre der Dax-Konzerne zu einem nicht unbedeutenden Teil aus den USA stammen.


Börsen-Zeitung, 07.04.2020, Autor Christoph Ruhkamp, Nummer 68, Seite 1, 342 Wörter

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